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Weltklimakonferenz 2006 in Nairobi Klimawandel beschleunigt sich dramatisch - nur noch wenig Zeit zum Umsteuern |
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(Internetveröffenlichung vom November 2006) Die alljährliche Weltklimakonferenz fand dieses Jahr Anfang November in Nairobi (Kenia) statt. Politiker und Wissenschaftler aus 189 Staaten haben über eine Nachfolgevereinbarung zum so genannten Kyoto-Protokoll beraten, das 2012 ausläuft. Dieses 1997 von 35 Industriestaaten beschlossene Abkommen verpflichtet zu einer Reduzierung der Treibhausgase um durchschnittlich 5,2 Prozent im Vergleich zu 1990. Mit einem Folgeabkommen sollte der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid weltweit noch stärker gesenkt werden. Obwohl der Druck zum Handeln auf die agierenden Politiker enorm war - die Kennzeichen für einen sich beschleunigenden, menschenverursachten Klimawandel sind eindringlich - ging von der Weltklimakonferenz in Nairobi nicht der erhoffte Schub aus. Die Staaten einigten sich lediglich auf eine Überprüfung des Kyoto-Protokolls. Die Welt wird zwar sicher nicht untergehen, wie der Spiegel in seinem Heft vom 6. November 2006 befürchtete, das den Titel "Globale Erwärmung - Achtung Weltuntergang" trägt. Dennoch lassen die Vorgänge, die dieses Jahr an den Alpengletschern und der Arktis beobachtet werden können, nichts Gutes erahnen. Anfang August 2006 stellte der bayerische Umweltminister Dr. Werner Schnappauf bei einem Pressetermin auf der Zugspitze heraus, dass die bayerischen Gletscher deutlich schneller abschmelzen würden, als noch vor einigen Jahren vermutet. An einem heißen Tag würde der Zugspitzgletscher rund 35 Millionen Liter Wasser verlieren. Rund 70 Prozent der ursprünglich vorhandenen Masse seien bereits abgeschmolzen und in 20 Jahren wären die bayerischen Gletscher gänzlich verschwunden, hieß es. Ein weiteres Indiz dafür, dass sich etwas ändert, ist das seit kurzer Zeit feststellbare beschleunigte Abschmelzen der Eisflächen am Nordpol. Bereits seit den siebziger Jahren bis etwa 2004 hat die arktische Eisfläche um rund ein Viertel abgenommen. 2005 nahm jedoch der Schwund der Eisflächen dramatisch zu. Um rund 300.000 Quadratkilometer reduzierte sich der arktische Eisschild in nur einem Jahr. Für 2006 wird ein Abschmelzen in ähnlicher Größenordung erwartet. Der sommerliche Eisverlust ist damit in etwa viermal so groß wie noch vor einigen Jahren. Der nun offene Ozean nimmt durch die Sonne noch mehr Wärme auf, so dass der Eisverlust immer schneller vor sich gehen wird, vermuten viele Klimawissenschaftler. Eine besondere Aufmerksamkeit hat bei allen Beteiligten in Nairobi das Ende Oktober veröffentlichte Stern-Gutachten ausgelöst, das von der Englischen Regierung bei dem renommierten Wirtschaftswissenschaftler Sir Nicholas Stern beauftragt wurde und sich mit den Kosten des Klimawandels auseinandersetzt. Rund ein Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts, etwa 350 Milliarden Dollar, würden ausreichen, um die Klimaveränderungen auf ein erträgliches Maß abzubremsen. Im anderen Fall, wenn nichts geschehen würde, müsste die Weltgemeinschaft etwa 7 Billionen Dollar aufwenden, um die klimabedingten Schäden zu bewältigen, schätzte der Wirtschaftsprofessor. Dies würde nach seiner Ansicht zu der schwersten Rezession der neueren Geschichte führen, die mehr kosten würde als beide Weltkriege zusammen. Weite Teile der Welt würden durch Dürre oder Überflutung unbewohnbar, wodurch Hunderte Millionen Menschen aus den Gebieten flüchten müssten. Die Rechnung für den ungebremsten Ausstoß des Klimakillers Kohlendioxid durch Industrie, Luft- und Straßenverkehr, Gebäudeheizung, Klimaanlagen und Stromerzeugung müssten vor allem die Länder in der Dritten Welt tragen, weite Teile Afrikas würden beispielsweise unbewohnbar. Aber auch in Europa dürften sich die Lebensbedingungen gravierend ändern. Anhaltende Trockenheit und Starkregen oder Veränderungen der Vegetation würden spürbar zunehmen. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Weltgemeinschaft doch noch in Bälde zu einer tragfähigen Vereinbarung zur Reduzierung der Treibhausgase verständigt. Zum Umsteuern bleiben nur noch wenige Jahre. Neben Europa ist vor allem die Beteiligung der USA und der aufstrebenden Wirtschaftsmächte China und Indien gefragt. Aber auch an uns selbst stellt die Bewältigung der Klimabedrohung hohe Ansprüche, geht es doch um nichts Geringeres als um die Zukunft unserer Kinder.
(Verf. G. Raschel)
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| Literaturhinweise |
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"Thema Weltklima - eine Dokumentation zum UN-Gipfel in Nairobi";; Beilage; Süddeutsche Zeitung; 02.11.2006; Achtung Weltuntergang - Wie gefährlich ist die globale Erwärmung wirklich?; erschienen in: Der Spiegel; Nr. 45 vom 06.11.2006; Seite 78 - 96; Bethge, Phillip; Blech, Jörg; Hüetlin, Thomas; Kremb, Jürgen; Nelles, Jürgen, Trauffetter, Gerald; Klima im Wandel - Fakten, Folgen, Perspektiven; Beilage; Der Tagesspiegel vom 20.09.2006;
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| Internet-Seite erstellt: | 06.02.2006 | Internet-Seite aktualisiert: | von | G. Raschel |