Top-Thema: Ortsentwicklung, Einzelhandel

Einzelhandelskonzept im Gemeinderat behandelt

Was ist ein Einzelhandelskonzept?

Veröffentlicht 19.01.2013

Der Arbeitskreis 1 des Demografieprojektes hat sich in den beiden Zukunftskonferenzen, die im ersten Halbjahr 2012 stattfanden, mit den Themen Ortsmitte, Einzelhandel und Gastronomie beschäftigt.

In der Gemeinderatssitzung vom 20. November 2012 wurde vom Arbeitskreis 1 ein Informationsvortrag über das Instrument eines Einzelhandelskonzeptes beantragt hat. Diesem Antrag wurde stattgegeben.

 

Was ist ein Einzelhandelskonzept?

Ein Einzelhandelskonzept wird immer dann erstellt, wenn Veränderungen der Einzelhandelsstruktur in der Kommune oder in der Region Veränderungen mit sich bringen, wenn wegen der Konkurrenzsituation neue Möglichkeiten für den Einzelhandel ausgelotet werden sollen oder wenn lebendige Ortskerne gestaltet oder ausgebaut werden sollen.

 

„Gute Ortsentwicklung geht nur gemeinsam.“

Mit dieser Aussage wirbt ein Planungsbüro für das Instrument des Einzelhandelskonzeptes. Einzelhandelskonzepte werden nicht am grünen Tisch erstellt, sondern sind nur in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren des Einzelhandels in einer Kommune überhaupt erst realisierbar. Deren Möglichkeiten und Zukunftsvorstellungen werden in das Konzept mit eingearbeitet.

Ein Einzelhandelskonzept ist dabei kein fixes Paket, sondern es besteht aus Bausteinen, die sich an den Fragestellungen des Auftragsgebers (z.B. Gemeindeverwaltung, Arbeitskreis) orientieren. Die Fragen in unserer Gemeinde könnten sich beispielsweise auf die Entwicklung eines funktionierenden Ortskerns beziehen, den Erhalt und Ausbau des kleinstrukturierten Einzelhandels in unserer Gemeinde zum Inhalt haben und Vorschläge für eine demografiegerechte Ausrichtung des örtlichen Einzelhandels fordern.

Einzelhandelskonzepte müssen auch nicht auf eine einzelne Gemeinde oder Stadtteil beschränkt bleiben, sondern können sich auch mit den Bedürfnissen und Erfordernissen für eine funktionierende Nahversorgung einer Region befassen.

 

Baustein 1: Bestandserfassung des örtlichen Einzelhandels

Durch die Erfassung des Istzustandes des örtlichen Einzelhandels nach Branchen, Standort, Sortiment, Verkaufsflächen und Umsatz wird die Leistungsfähigkeit des örtlichen Einzelhandels ermittelt. Hieraus können Hinweise auf Verbesserungsmöglichkeiten abgeleitet werden.

 

Baustein 2: Erfassung der regionalen Wettbewerbssituation

Dabei werden die Marktpotenziale der regionalen Wettbewerber sowie deren verkehrliche Anbindung erfasst.

 

Baustein 3: Ermittlung der Kaufkraft sowie deren Zuflüsse und Abflüsse

Die Kaufkraft wird nach Angebotsgruppen aufgeschlüsselt und mittels Kennziffern errechnet. Dabei spielt die unter 1 (örtlicher Einzelhandel) und 2 (regionaler Einzelhandel) ermittelten Kenngrößen der Einzelhandelsansiedelungen eine wichtige Rolle. Aus den Informationen kann die vorhandene Kaufkraft sowie die Zuflüsse und Abflüsse der Kaufkraft ermittelt werden. Mögliche Angebotslücken können hier entdeckt und als Entwicklungspotenziale ausgewiesen werden.

 

Baustein 4: Entwicklung unter Berücksichtigung der Bevölkerungsentwicklung

Um eine Abschätzung über die zukünftige Entwicklung am Marktstandort durchführen zu können, sind die Entwicklungen beispielsweise bei der Demografie (Zuzüge, Abwanderung, Geburtenentwicklung) oder bei der Veränderung der Kaufkraft mit zu berücksichtigen. Aus diesen Annahmen wird ein Entwicklungsszenario für etwa 10 Jahre entwickelt.

 

Baustein 5: Standortanalyse

Eine zentrale Bedeutung für den Einzelhandel hat der Standort. Der einzelne Betrieb kann wesentlich erfolgreicher arbeiten, wenn an einem Standort (z.B. Ortszentrum) die Mischung aus Branchen, Verkaufsflächen und Angebotspalette den Bedürfnissen der Verbraucher entgegenkommt (Synergieeffekte). Genauso wichtig ist natürlich die Erreichbarkeit (zentral und fußläufig) und für den motorisierten Verkehr die Parkplatzsituation.

Neben einem vielseitigen Einzelhandelsangebot sind auch Ansiedelungen von Dienstleistungsangeboten (z.B. Post, Bank, Ärzte) aber auch Gastronomiebetriebe als Frequenzbringer wichtig. Durch Bewertung möglicher Entwicklungsflächen (z.B. Ortsbegehung, Stärken-Schwächen-Vergleiche) können weitere wertvolle Hinweise zur Ortsentwicklung abgeleitet werden.

 

Baustein 6: Wirkungsanalyse

Aus den gefundenen Analysedaten können aber auch Informationen über die Auswirkungen auf den örtlichen Einzelhandel abgeleitet werden, wenn größere Einzelhandelsprojekte innerörtlich und in der umliegenden Region geplant sind.

 

Baustein 7: Handlungsempfehlung

Zu Beginn des Einzelhandelskonzeptes wurden Fragen zur städtebaulichen Ausrichtung im Zusammenhang mit dem Einzelhandel gestellt. Diese Fragen müssen nun im Lichte der gefundenen Analysedaten neu bewertet und aus den Erkenntnissen können Handlungsempfehlungen für Einzelhändler und Kommunalpolitiker abgeleitet werden.

 

Einzelhandelskonzept – Versachlichung und Informationen

Einzelhandelskonzepte geben den Akteuren im Einzelhandel Planungssicherheit und zeigen Zukunftsperspektiven auf. Für die Kommunalpolitik ergeben sich wichtige Hinweise, welche Steuerungsinstrumente über die Bauleitplanung bestehen, wie Einzelhandel aus Sicht einer positiven Ortsentwicklung gefördert werden kann und welche Entwicklungen nachteilige Auswirkungen an anderer Stelle haben können.

Zudem erhalten die Kommunalpolitiker belastbare Einschätzungen, wie sich bei geplanten Einzelhandelsprojekten der bereits vorhandene örtliche Einzelhandel verändern wird. Kommunalen Entscheidungsträgern, Einzelhändlern und Einzelhandelsunternehmen, aber auch Bürgern und allen am Thema Nahversorgung Interessierten bietet das Einzelhandelskonzept eine fundierte Basis, um die manchmal konfliktbeladene Diskussion zu versachlichen.

Ein Einzelhandelskonzept will Mut machen, Bürger, Kommunalpolitiker und Einzelhändler an einen Tisch bringen und Anregungen geben, wie in einer Gemeinde oder in einem Stadtteil eine funktionierende Nahversorgung sichergestellt werden kann.

 

 

Zum Weiterlesen:

 

Nahversorgung – Der Weg zur Wohlfühlgemeinde

Dokumentation zur Fachtagung am 25. Februar 2011 in Karlsruhe; Regionalverband Mittlerer Oberrhein;

www.region-karlsruhe.de/fileadmin/files/Abbildungen/Nahversorgunsbroschuere/RVMO_Nahversorgung2012_web.pdf

 

Vom LEP-E zum LEP-E+

Resolution zur Gesamtfortschreibung des Landesentwicklungsplans 2012 der drei Bayerischen Raumakademien

http://www.akademie-bayern.de/imgspdfs/news/2012/LEP_Resolution.pdf

 

Nahversorgung in Bayern Bedeutung – aktuelle Situationen – Alternativen

Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie Broschüre, A4, 104 Seiten; Stand: Februar 2011;

Der demografische Wandel stellt uns in den nächsten Jahren vor die Herausforderung, die Nahversorgung gerade in ländlichen und von Abwanderung betroffenen Regionen aufrecht zu erhalten.

http://www.stmwivt.bayern.de/fileadmin/Web-Dateien/Dokumente/wirtschaft/Nahversorgung_in_Bayern.pdf

 

Einzelhandel und Stadtentwicklung in Städten und Gemeinden

Markt und Standort; März 2011

http://www.marktundstandort.de/downloads/Einzelhandelskonzepte2011.pdf

 

Aktuell

Bürgertreffen

am Do., 23. Nov. 2017

um 19.30 Uhr

Gasth. Kuttenlochner

Termine

Neue Liste Buch

für 2017

Termine

Besucherzaehler