Geschichte in Zusammenhängen denken

Sonderausstellung "Das kriegerische 20. Jahrhundert" besucht

Nur noch bis zum 17. Mai 2009 ist die Sonderausstellung "Das kriegerische 20. Jahrhundert" im Heimatmuseum Vilsbiburg zu sehen.
Nur noch bis zum 17. Mai 2009 ist die Sonderausstellung "Das kriegerische 20. Jahrhundert" im Heimatmuseum Vilsbiburg zu sehen.

Buch/Vilsbiburg. Auf Initiative des Kulturhistorischen Vereins, der Bucher Ortsverbände von CSU und SPD sowie der Neuen Liste Buch unternahm kürzlich eine Gruppe aus Buch am Erlbach einen Besuch im Vilsbiburger Heimatmuseum zur Sonderausstellung "Das kriegerische 20. Jahrhundert".


Durch die Ausstellung führte der Vorsitzende des Heimatvereins Peter Barteit. Nur noch bis zum 17. Mai 2009 ist die Sonderausstellung "Das kriegerische 20. Jahrhundert" im Heimatmuseum Vilsbiburg zu sehen.

 

Einführend schickte Peter Barteit voraus, dass es bei dieser Ausstellung über die Zeit des Dritten Reichs keinesfalls um Schuldzuweisung gehe, sondern das Verstehen von geschichtlichen Zusammenhängen im Mittelpunkt stehe, um daraus für die Zukunft zu lernen. Der Bogen der Ausstellung sei daher ganz bewusst vom Beginn des Kaiserreichs 1871 bis zur Besatzungszeit 1948 gezogen worden.

 

Die Kaiserzeit (1871 - 1918) vor allem unter Wilhelm II. sei durch extremen Nationalismus und durch die militärische Aufrüstung insbesondere der Marine gekennzeichnet gewesen. Der Mord an dem Thronfolgerpaar in Sarajewo sei der Auslöser für den Ersten Weltkrieg gewesen. Die damalige Generation sei noch begeistert ins Feld gezogen. Der Krieg versank jedoch nach anfänglichen Erfolgen in einem Stellungskrieg. Durch den Eintritt der USA 1917 und der dadurch zunehmenden militärischen Übermacht der Verbündeten USA, England, Frankreich, Serbien, Rumänien, Italien und Griechenland forderte 1918 die oberste Heeresleitung die Reichsregierung auf, den Waffenstillstand auszuhandeln. Barteit verwies auf die "Dolchstoßlegende", mit der die unterzeichnenden Politiker als feige bezeichnet und das Heer als unbesiegt dargestellt wurde, was aber historisch falsch sei. Letztlich resultierten daraus zahlreiche politische Morde. Die heimkehrenden Soldaten aus dem Krieg waren enttäuscht, hatten aber noch ihre Waffen bei sich. Es bildeten sich daraus zahlreiche paramilitärische Organisationen.

 

Mit der Dolchstoßlegende und dem verlorenen Krieg begann eine Zeit von Hass und Hetze auf Politiker. Die kriegsmüde Bevölkerung forderte Ende 1918 Kaiser Wilhelm II. zum Rücktritt auf und sie wählten Arbeiter- und Soldatenräte. Die in Bayern gebildete Räterepublik, sie nannte sich "Freier Volksstaat Bayern", wurde jedoch Mitte 1919 durch Truppen der eingesetzten Regierung niedergeschlagen, da bereits Anfang 1919 in Versailles die "Weimarer Republik" beschlossen wurde. Der dabei ausgehandelte "Versailler Vertrag" wies Deutschland die alleinige Kriegsschuld zu und beinhaltete rigide Reparationszahlungen, die bei Einhaltung des Vertrags noch bis 1988 hätten geleistet werden müssen.

 

Die Weimarer Republik ist daran gescheitert, weil die Demokratie zu wenige Menschen unterstützt haben und sich zu viele rückwärtsgewandte Menschen nach einem autoritären Regime sehnten. Vorsitzender Peter Barteit betonte aber, dass Hitler die Macht nicht an sich gerissen hat, sondern die Macht wurde ihm im verfassungsrechtlichen Rahmen übertragen. Problematisch für die junge Demokratie war die durch die enormen Reparationszahlungen 1923 ausgelöste Inflation, die sämtliche Ersparnisse vernichtete.

 

Die Regierung unter Stresemann beendete die Inflation mit einer Währungsreform. In dieser Zeit fanden mehrere Umsturzversuche von links und rechts unter anderem auch der Hitlerputsch von 1923 statt. In der Festungshaft in Landsberg schrieb Adolf Hitler sein Werk "Mein Kampf". Im März 1927 hielt Adolf Hitler in Vilsbiburg nach Beendigung des über ihn verhängten Redeverbots seine erste öffentliche Rede. Barteit betonte, dass Hitler bei dieser Veranstaltung vor über 1000 Zuhörern alles gesagt habe, was er später dann auch umgesetzt habe. 1929 führte die Weltwirtschaftskrise zu einer hohen Arbeitslosigkeit. All diese Faktoren begünstigten den weiteren Aufstieg Hitlers. Bei den Reichstagswahlen 1930 konnte die NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) große Zuwächse verbuchen.

 

Im Januar 1933 wurde Adolf Hitler von Reichspräsident Paul Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. Nach einer erneuten Reichstagswahl im März 1933, bei der die NSDAP als Wahlsieger hervorging, legte Hitler dem Reichstag das Ermächtigungsgesetz vor. Der unter Androhung von Gewalt herbeigeführten Zustimmung widersetzten sich nur die sozialdemokratischen Parlamentarier. Die Demokratie fand damit ihr Ende. Die Erinnerung an die die totale Abschaffung des Rechtsstaates und die menschenverachtende Diktatur durch das NS-Regime aufrechterhalten, damit vor allem jüngere Menschen Zeichen der Zeit erkennen und auch in schwierigen Zeiten nicht mehr in Scharen neuen Ver-(Führern) nachlaufen, das ist für Peter Barteit das Hauptaugenmerk der Ausstellung im Heimatmuseum Vilsbiburg.

 

Mit der Machtergreifung wurden kurzerhand 250.000 Menschen, die dem System kritisch gegenüberstanden, in "Schutzhaft" genommen. In der Folge davon errichteten die Nazis 1933 auch das Konzentrationslager Dachau. Mit der Reichskristallnacht im November 1938 fanden die Feindseeligkeiten gegenüber den jüdischen Mitbürgern ihren vorläufigen Höhepunkt. 1939 überfiel Deutschland Polen, der zweite Weltkrieg begann. Es folgten unter anderem Übergriffe und Besetzungen von den Niederlanden, Belgien, Frankreich, England, Griechenland, Jugoslawien. Im Dezember 1941 erklärte der Führer auch den Vereinigten Staaten den Krieg. Mit dem Vormarsch nach Russland 1941/42 hatte sich Hitler jedoch verschätzt, der Feldzug fror im russischen Winter buchstäblich ein. Der Krieg, so ergänzte Peter Barteit, war an dieser Stelle eigentlich verloren.

 

Gleichzeitig begannen die Deutschen vor allem in Polen die Vernichtungslager für die jüdische Bevölkerung zu errichten, die sogenannte "Endlösung der Judenfrage" war 1942 in der Wannseekonferenz beschlossen worden. Mit dem nahenden Ende des Krieges erlebten die Menschen im April 1945 in Vilsbiburg die sogenannten Todesmärsche. Vor den herannahenden Truppen der Alliierten wurden die KZ-Häftlinge aus den Vernichtungslagern zu Fuß in andere Lager verbracht. „Vernichtung durch physische Gewalt“ war der Hintergrund. Vier Todesmärsche aus dem Lager Flossenbürg sind in der Region Vilsbiburg dokumentiert. Ein Erlebnis, so Peter Barteit, das die menschenverachtende Vorgehensweise des NS-Regimes schonungslos offenbarte. Zur Bestattung der Toten haben die alliierten Truppen die Vilsbiburger Bevölkerung herangezogen. Am 30. April 1945 tötet sich Hitler in Berlin selber und am 8. Mai 1945 unterzeichneten Generäle der Wehrmacht in Berlin die "bedingungslose Kapitulation".

 

Barteit erinnerte abschließend an den "Marshall-Plan", der einen Aufbau Deutschlands nach Ende des Krieges wieder ermöglichte, die Fehler des Versailler Vertrages sollten dadurch nicht mehr wiederholt werden. In der Ausstellung im Heimatmuseum Vilsbiburg, die noch bis zum 17. Mai 2009 zu sehen ist, wird die Zeitgeschichte mit zahlreichen Exponaten und Originaldokumenten dargelegt.

 

Verf.: G. Raschel

Die Weimarer Republik ist daran gescheitert, weil die Demokratie zu wenige Menschen unterstützt haben und sich zu viele rückwärtsgewandte Menschen nach einem autoritären Regime sehnten. Vorsitzender Peter Barteit betonte aber, dass Hitler die Macht nicht an sich gerissen hat, sondern die Macht wurde ihm im verfassungsrechtlichen Rahmen übertragen.

Die Erinnerung an die die totale Abschaffung des Rechtsstaates und die menschenverachtende Diktatur durch das NS-Regime aufrechterhalten, damit vor allem jüngere Menschen Zeichen der Zeit erkennen und auch in schwierigen Zeiten nicht mehr in Scharen neuen Ver-(Führern) nachlaufen, das ist für Peter Barteit das Hauptaugenmerk der Ausstellung im Heimatmuseum Vilsbiburg.

Mit zahlreichen Exponaten, Originaldokumenten und Bildern sollen die Besucher der Sonderausstellung einen Einblick über das Leben der Menschen zwischen 1914 und 1948 erhalten.

Mit einem kleinen Geschenk bedankte sich die Vorstandschaft des Kulturhistorischen Vereins Buch am Erlbach im Namen aller teilnehmenden Vereine bei Vorstand Peter Barteit für die Führung durch Museum und die Sonderausstellung "Das kriegerische 20. Jahrhundert".

(im Bild von links nach rechts: Peter Barteit, Georg Göbl, Renate Göbl, Elisabeth Gutknecht)

Lesetipp:


Vilsbiburger Museumsschriften Nr. 10

Das kriegerische 20. Jahhundert - Von der ersten deutschen Republik 1918 über die Diktatur zum Neubeginn 1948 - Vilsbiburg in diesem Spannungsfeld" von Konrad Fischer und Florian Obermayer mit Beiträgen von Peter Barteit und Lambert Grasmann

erschienen Mai 2008;

154 Seiten, Kosten 16,80 Euro

ISBN 978-3-9811826-2-0

Zum Anlesen: Das Vorwort von Peter Barteit
Vib-hm-schriften-10_geleitwort.pdf
Adobe Acrobat Dokument 234.0 KB

Aktuell

Bürgertreffen

am Do., 23. Nov. 2017

um 19.30 Uhr

Gasth. Kuttenlochner

Termine

Neue Liste Buch

für 2017

Termine

Besucherzaehler