Schule neu denken

Kritik an Mittelschule - Jugendarbeit an Ganztagesschulen

Buch/Freising. "Schule neu denken - Jugendarbeit neu gestalten" unter diesem Titel fand am vergangenen Wochenende im Kardinal-Döpfner-Haus in Freising die diesjährige "Kommunalpolitische Studientagung" des Diözesanrates der Erzdiözese München und Freising und des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) München und Freising statt.

 

Die Leitung der Tagung übernahmen Gerlinde Berger (BDKJ) und Herbert Jagdhuber (Diözesanrat). Auch aus Buch am Erlbach nahm eine Gruppe mit Vertretern aus den örtlichen Parteien teil. Der erste Themenblock setzte sich mit der geplanten Überführung der bisherigen Hauptschulen in sogenannte Mittelschulen auseinander. Ltd. Ministerialrat Georg Hahn vom Staatsministerium für Unterricht und Kultus stellte die Entwicklung der Hauptschulen vor. Insbesondere der Geburtenrückgang, die sechsstufige Realschule sowie das geänderte Übertrittsverhalten seien die Ursache, dass die Hauptschulen immer weniger Schüler hätten.

 

Bis 2020 werde diese Schulart rund 25 Prozent der Schüler gegenüber 1998 verlieren. In ihrem Fortbestand gefährdet seien aber die 300 einzügigen Hauptschulen in Bayern. Durch Zusammenlegung dieser Schulen zu Schulverbünden soll zumindest ein Teil der einzügigen Schulen erhalten werden können. Dr. Fritz Schäffer vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) warb für das Konzept der "Regionalen Schulentwicklung". Er stellte in seinem Vortrag die Trennung der Schüler nach der vierten Klasse in unterschiedliche Schulformen in Frage.

 

Die Mittelschule sei aus seiner Sicht nur eine Fortführung des Bisherigen. Die Hauptschule, so Schäffer, könne aber nur dann konkurrenzfähig werden, wenn auch ein gleichwertiger Realschulabschluss dort möglich sei. Gerhard Dix vom Bayerischen Gemeindetag meinte, dass vor allem der demografische Wandel die Überlebenskämpfe der kleinen Schulen auslöse. Der Erhalt der "Vor-Ort-Ausbildung" sei wichtig, um Gemeinden zukunftsfähig zu erhalten. Bei den geplanten Mittelschulen setzt Dix vor allem auf die Dialogforen, um gemeinsam intelligente Schulkonzepte zu erarbeiten. In kleinen Gemeinden hält er Verbünde von Hauptschulen als unumgänglich.

 

Als zweites großes Thema wurden die neuen Chancen erörtert, die sich mit der Ganztagesschule vor allem hinsichtlich ehrenamtlicher und professioneller Angebote der Jugendarbeit aus Verbänden, Vereinen und Kirchen ergeben. In ihrem einführenden Referat stellte Gerlinde Berger (BDKJ) fest: "Die Schule benötigt immer mehr Zeit, da die Effizienz der Bildung im Vordergrund steht". Bei der Jugendarbeit hingegen seien die Vorteile nicht auf den ersten Blick erkennbar. Insbesondere beim G8 hätten die Schüler so gut wie gar keine Zeit mehr für irgendeine Form der Jugendarbeit.

 

Daher müsse sich die kirchliche und nichtkirchliche Jugendarbeit neue Räume erschließen. "Jugendarbeit und Schule als Bildungspartner auf gleicher Augenhöhe", würde sie sich wünschen. Insbesondere die Ganztagesangebote der Schulen machen Freiräume für außerschulische Angebote von Vereinen, Verbänden und den Kirchen möglich. Michael Kroll von der Caritas Bayern stellte professionelle Angebote der Jugendsozialarbeit vor. Insbesondere würden diese bei der Berufsorientierung, bei schwierigen Schülern, bei der Erziehungsberatung und bei der Jugendarbeit immer wichtiger. Darüber hinaus seien in den Gemeinden auch Netzwerke von Akteuren der Jugendarbeit und der Jugendsozialarbeit dringend notwendig. Ltd. Ministerialrat Georg Hahn ergänzte, dass Jugendsozialarbeit ab diesem Schuljahr auch in Grundschulen möglich sei und wies auf ein Förderprogramm hin, wonach bis 2016 in Bayern 1000 Schulen mit Jugendsozialarbeit ausgestattet werden sollen.

 

Im Weiteren stellte Religionslehrer Wolfgang Dinkel Angebote der Schulpastoral im Zusammenhang mit der Ganztagesschule vor. Die Möglichkeiten der Jugendstelle der Erzdiözese zeigte Stefan Marschall mit dem Projekt P.A.C.O.S auf. Unter dem Titel "Kirche geht in die Schule" wurde unter der Leitung von Monika Feichtner-Wörndle, Religionslehrerin an Volksschulen in Garmisch-Partenkirchen, ein umfassendes Ausbildungspatenprojekt ins Leben gerufen. Religionslehrer Michael Kroschewski vom Gymnasium in Marktheidenfeld stellte das Projekt "Wir holen die Welt herein" vor. Domkapitular Erich Pfanzelt, Leiter des Katholischen Schulkommisariats in Bayern sprach abschließend noch Aspekte der kirchlichen Jugendarbeit und deren Wandel an. Kirche müsse zukünftig zu den Jugendlichen hingehen.

 

Mit dem Titel "Schule neu denken" verband Pfanzelt die Hoffnung, dass in den Schulen die schulische Bildung und Jugendarbeit zukünftig verstärkt miteinander gestaltet werden.

 

Verf.: G. Raschel

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