"Dritte Startbahn - eine Frage der Generationen-Gerechtigkeit"

Diskussionsrunde zu einer aktuellen Thematik

Für Georg Ohmayer hängt die Frage, ob zukünftige Generationen noch vernünftig leben können, von den Entscheidungen ab, die wir heute treffen
Für Georg Ohmayer hängt die Frage, ob zukünftige Generationen noch vernünftig leben können, von den Entscheidungen ab, die wir heute treffen

Buch. Im Zusammenhang mit den Planungen zu einer Dritten Startbahn am Münchner Verkehrsflughafen befasste sich Georg Ohmayer aus Niedererlbach kürzlich beim Bürgerstammtisch der Neuen Liste Buch mit der Frage der Nachhaltigkeit, oder anders ausgedrückt: Ob durch unser derzeitiges Handeln als Gesellschaft auch künftige Generationen noch vernünftig leben können.

Der Staat einerseits sei in adäquater Weise verpflichtet, die Rahmenbedingungen für Mobilität beispielsweise durch den Ausbau der Verkehrswege zu schaffen. Andererseits würden durch den spürbar werdenden Klimawandel und die absehbare Verknappung der fossilen Energieträger die Grenzen unseres Wachstums immer deutlicher. Georg Ohmayer zitierte den Philosophen Hans Jonas, der in seinem "Ökologischen Imperativ" aussagt: "Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlungen verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden." Mit der Frage der Mobilität einerseits und der Forderung nach Nachhaltigkeit andererseits seien aus der Sicht von Georg Ohmayer Gesellschaft, Wirtschaft und Politik gefordert, sich damit auseinanderzusetzen und einen Rahmen für zulässiges Handeln zu schaffen.

Für Georg Ohmayer hängt die Frage, ob zukünftige Generationen noch vernünftig leben können, von den Entscheidungen ab, die wir heute treffen.

Als mögliche Handlungsfelder für zukünftige politische Entscheidungen stellte Georg Ohmayer intelligente Verkehrskonzepte vor: Beispielsweise eine Kooperation von Bahn und Flughafen zur Vermeidung innerdeutscher Kurzstreckenflüge. Als weiteres Beispiel führte er das Stadtbahnkonzept der Stadt Karlsruhe auf, bei dem Straßenbahn und Eisenbahn miteinander vernetzt seien, wodurch wesentlich mehr Bahnbenutzer erreicht würden. Ohmayer betonte aber, dass Strategien zur Reisevermeidung wichtiger seien. Die Möglichkeiten, die notwendige Kommunikation im Alltag von Firmen durch Videokonferenzen und "Netmeeting" (gemeinsames Arbeiten am Computer an verschiedene Orten über Internet) durchzuführen, anstatt die übliche Präsenz vor Ort, müssen erheblich ausgebaut werden. Die Fernwartung von technischen Systemen und selbst die Durchführung komplizierter Operationen mit Beihilfe von Spezialisten via Internet sind technisch heute problemlos möglich. Ein weiterer Punkt sei die Wettbewerbsgleichheit der unterschiedlichen Verkehrsträger. Durch die fehlende Besteuerung des Kerosins würden dem Staat nach Angaben des Umweltbundesamtes jährlich 6,9 Milliarden Euro Steuern entgehen. Der künstlich geschaffene Bedarf durch Billigflüge würde so durch Einführung einer Kerosinsteuer entfallen.

Einige Hinweise zu Prognosen erläuterte Georg Ohmayer, der sich beruflich mit statistischen Methoden auseinandersetzt. Prognosen sind die Fortschreibung der Beobachtungen der letzten Jahre. Sie sind notwendig, um den zukünftigen Bedarf bei Planungen abschätzen zu können. Was aber bei vielen Prognosen unterschlagen werde, sei die Unsicherheit von Prognosen. Bei den Startbahnprognosen könnten die erwarteten Passagierzahlen durch den sogenannten Vertrauensbereich auch deutlich unterhalb der prognostizierten Zahlen liegen. Für Georg Ohmayer sollte aber die Prognose zur Dritten Startbahn angesichts des dramatischen "Strukturbruchs" der durch die derzeitige weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise ausgelöst wurde, noch einmal gründlich überdacht werden. Die Flughafen München Gesellschaft spricht hier lediglich von einer "Delle" in der Wachstumskurve.

Noch einen weiteren Gedanken richtete Georg Ohmayer auf die Umweltveröffentlichungen der Flughafenbetreiber. Dabei werde von einer jährlichen Reduzierung des Treibstoffverbrauchs der Fluggeräte von 2,4 Prozent gesprochen. Dass dieser Effizienzfaktor aber mit der Wachstumsrate multipliziert werden müsste – aktuell werden 4,2 Prozent Wachstum beim Flugverkehr pro Jahr angegeben – wird aus Sicht von Georg Ohmayer verschwiegen. Absolut wird also immer mehr klimaschädliches Kohlendioxid in die Atmosphäre geblasen.

Sein abschließendes Fazit: Vor 30 Jahren sei der Flughafen München aus dem stadtnahen Bereich ins Erdinger Moos verlagert worden. Die Mobilität habe dabei Vorrang erhalten. Hinsichtlich der Entscheidung für oder wider einer Dritten Startbahn sollte aber jetzt der Nachhaltigkeit Vorrang gegeben werden. Die anfangs gestellt Frage, ob zukünftige Generationen noch vernünftig leben können, hängt von Entscheidungen ab, die wir jetzt treffen.

Verf.: G. Raschel

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