Quer durch den Stabmaierforst

Unterschiedliche Standorte kennengelernt -

Umbau in Mischwald als Ziel

Martin Schachtl und Heinrich Flurl begrüßten die Teilnehmer der waldkundlichen Wanderung durch den Stabmaierforst
Martin Schachtl und Heinrich Flurl begrüßten die Teilnehmer der waldkundlichen Wanderung durch den Stabmaierforst

Buch. 2011 ist das internationale Jahr der Wälder. Dies sei der Anlass dafür gewesen, sich mit der Lebensgemeinschaft Wald auseinander zu setzen, sagte Martin Schachtl bei der Begrüßung der zahlreichen Teilnehmer der Frühjahrswanderung der Neuen Liste Buch. Der pensionierte Forstbeamte Heinrich Flurl führte am vergangenen Sonntag in den Stabmaierforst oberhalb Niedererlbach.


Nach einem kurzen Marsch vom Treffpunkt am Stomer Weiher steuerte die Gruppe den sogenannten Eichelgarten an. Neben der bemerkenswerten Aussicht auf das Erlbachtal sei der, auf einer Anhöhe des Tertiären Hügellandes gelegene Eichenbestand einer der größten in der Region. Dieser sei durch Aussaat im letzten Jahrhundert begründet worden, erläuterte Heinrich Flurl. Dieses Waldareal gehört zum sogenannten Stabmaier Forst der schon seit über 100 Jahren vom Forstamt Freising betreut wird. Im Laufe der Wanderung lernten die Teilnehmer noch andere Standorte mit gänzlich anderem Bewuchs kennen.

Heinrich Flurl warb für einen Umbau der Wälder in robuste Mischwälder, die mit Schädlingen und dem zunehmenden Klimawandel besser zurecht kommen.
Heinrich Flurl warb für einen Umbau der Wälder in robuste Mischwälder, die mit Schädlingen und dem zunehmenden Klimawandel besser zurecht kommen.

Nach den Eiszeiten konnten sich durch die Riegelwirkung der Alpen nur noch wenige Baumarten wieder in die nördlich gelegenen Regionen ausbreiten, um dort Wälder zu bilden. Bis zum Beginn der Neuzeit waren die Menschen vollständig vom Wald abhängig. Dieser lieferte Baustoffe und Brennstoffe für die Häuser und diente auch als Nahrungsmittelquelle für das Vieh. Ausgehend von den Klöstern, beispielsweise durch die Benediktiner, wurden ab 800 großflächige Rodungen durchgeführt, um Ackerfläche zu gewinnen. Die Wälder wurden dadurch stark übernutzt. Im 17. und 18. Jahrhundert begann man sich intensiv Gedanken zu machen, wie man der immer größer werdenden Holznot langfristig begegnen könne. Man begann, die stark ausgeplünderten Wälder in ertragreichere umzuwandeln. Die Eisenbahn und die Verbreitung der Kohle als Brennstoff im 19. Jahrhundert sorgten auch dafür, dass nicht mehr alles aus dem Wald entnommen werden musste.

Bei der Wanderung führte der Forstbeamte Heinrich Flurl die Teilnehmer zu unterschiedlichen Standorten im Stabmeierforst und erläuterte deren Besonderheiten.
Bei der Wanderung führte der Forstbeamte Heinrich Flurl die Teilnehmer zu unterschiedlichen Standorten im Stabmeierforst und erläuterte deren Besonderheiten.

Für die Wiederbegründung auf großflächig kahl geschlagenen Standorten in tieferen Lagen zeigte sich die Fichte als ideale Baumart, die auch Spätfröste auf offenen Flächen gut überstand. Die Waldbaumarten Eiche oder Buche seien hier stärker gefährdet, ergänzte Heinrich Flurl. Sie benötigen in der Jugendphase den schützenden Altbestand. Reinbestände, beispielsweise aus Fichte hingegen haben größere Probleme mit Schädlingsbefall als gemischte Bestände. Als Beispiel nannte er den Ebersberger Forst, der im 19. Jahrhundert großflächig vom Nonnenfalter kahl gefressen wurde. Der Umbau des Waldes in einen Mischwald mit standortgerechten Baumarten sei das erklärte Ziel der Forstwirtschaft, betonte Heinrich Flurl.


Gut ein Drittel der Fläche Bayerns sei heute bewaldet. Im Landkreis Landshut sei der Waldanteil mit 15 Prozent hingegen relativ niedrig, da aufgrund der fruchtbaren Böden mehr landwirtschaftliche Nutzung betrieben werde, erklärte Heinrich Flurl. Insgesamt werden in Deutschland pro Jahr rund 100 Millionen Kubikmeter Holz benötigt. Etwa 60 Millionen Kubikmeter stammen aus Deutschland selber. Für eine weitere Ausdehnung der Nutzung als Brennmaterial im größeren Maßstab für die Hausheizung sieht Flurl aber Grenzen.

An einigen Stellen konnten Fichten mit einem Alter von etwa 150 Jahren bewundert werden, die sich im Stabmaier Forst zu beeindruckenden Exemplaren ausgewachsen haben.
An einigen Stellen konnten Fichten mit einem Alter von etwa 150 Jahren bewundert werden, die sich im Stabmaier Forst zu beeindruckenden Exemplaren ausgewachsen haben.

Über ein Viertel der gesamten erzeugten Energie werde von den Privathaushalten verwendet. Das sei mit Holz alleine nicht möglich. Eine interessante Diskussion ergab sich zu dem Dissens zwischen Förstern und Jägern zum Thema Wald und Wild. Die Regelungen zum Abschuss seien im Jagdgesetz festgelegt. Das Waldgesetz hingegen legt die Pflegemaßnahmen im Wald fest.

 

Die Bezeichnung "Pionierbaumarten" etwa für Birke oder Kiefer erklärte der Forstbeamte an einer kahl geschlagenen Fläche. Bemerkenswert sei auch die Douglasie, eine schnell wachsende Baumart aus Amerika mit rötlichem Holz, die sehr gut mit europäischen Standorten zurechtkommt. Amerikanische Roteichen entdeckten die Wanderer am sogenannten "Ami-Schlag". Älteren Mitbürgern ist diese Bezeichnung noch geläufig, denn hier wurde auf Weisung der Amerikaner kurz nach dem Krieg das Holz für die Brennholzversorgung der Bevölkerung eingeschlagen. An vernässten Standorten und entlang von Gewässern ist dagegen die Erle sehr häufig anzutreffen.

 

Die in Niedererlbach wachsende Schwarzerle benötigt eher saueren Untergrund, während die Grauerle kalkreiche Standorte bevorzugt. Auch sehr mächtige, etwa 150 Jahre alte Fichten konnten am Ende der Wanderung noch bewundert werden, bevor das Bucher Bürgerfest nach drei Stunden Wanderung für eine Brotzeit angesteuert wurde.


Verf.: Günther Raschel

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