Mi, 27.05.2015

Steinzell - Kelten, Kloster und eine Glocke

Neue Liste erwandert Geschichte im Hartbeckerforst

 

Buch. Trotz des zunächst wechselhaften Wetters nahmen 26 Teilnehmer an der Frühjahrswanderung der Neuen Liste Buch nach Steinzell am vergangenen Sonntag teil. Kreisarchäologe Thomas Richter und Heimatforscher Hans Schneider haben dabei einige interessante Themen aus der Geschichte vorgetragen.

 

Die Wanderung führte von Buch am Erlbach zum Hartbeckerforst bis zur Keltenschanze von Steinzell, die schon bei der Durchquerung mit 100 mal 85 Metern Grundfläche beeindruckte. Dort wartet Kreisarchäologe Thomas Richter, der die Wandergruppe in die Zeit der Kelten entführte. Von 500 bis etwa 300 vor Christus seien Siedlungstätigkeiten in unserer Region nachweisbar, so auch die keltische Ansiedelung in Niedererlbach. Ab 400 vor Christus seien große keltische Wanderbewegungen in Richtung Italien feststellbar. Aber bereits 200 vor Christus seien Bewohner keltischen Ursprungs wieder in die Alpenregion zurückgesiedelt. Mit im Gepäck hatten sie die Kultur der Mittelmeerländer. So entwickeln sich mit den Opida, beispielsweise in Manching bei Ingolstadt, stadtähnliche Strukturen. Und etwa 150 vor Christus sei auch die Viereckschanze in Steinzell entstanden. Richter wies darauf hin, dass seit 1990 die Viereckschanzen wieder genauer erforscht worden seien. Demnach sei ziemlich sicher, dass die Keltenschanzen als sogenannte Herrenhöfe, also Wohnansiedelungen einer herrschenden Schicht dienten, da Innerhalb und außerhalb der mit Holzpalisaden bewehrten Wallanlage Siedlungsspuren nachweisbar seien. Richter spekulierte, ob sich vielleicht das Klima änderte, warum diese Ansiedelungen schon weit vor der Zeit der Römer wieder aufgegeben wurden.

 

In der anschließenden Diskussion wies der Archäologe darauf hin, dass die Stammesbezeichnungen Kelten oder Germanen keinesfalls einheitliche Bevölkerungsgruppen darstellten. Diese Idee sei im Nationalismus des 19. Jahrhunderts entstanden. Tatsächlich hätten Wanderbewegung die Bevölkerungen gemischt und die Menschen hätten in überschaubaren Ansiedelungen zusammengelebt. Die Zeit der Kelten ist ein Zeitabschnitt in der sogenannten Eisenzeit. Mit der Verhüttung der Metalle sei auch eine starke Entwaldung der Landschaft einhergegangen.

 

Beim Pfarrverbandskreuz in Steinzell angekommen, fasste Heimatforscher Hans Schneider die geschichtlichen Ereignisse an dem kleinen Ort zusammen. Erste Zeugnisse einer Besiedelung in Steinzell gebe es bereits um die Zeit der Christianisierung. Von 530 bis etwa 850 sei in mehreren Zeitabschnitten die Christianisierung in Bayern durchgeführt worden. Bischof Bonifatius, der bis 754 nach Christus wirkte, erlangte hier eine besondere Bedeutung, da er die Bistümer gründete. In dieser Zeit betätigten sich wortgewaltige irische Wanderprediger als Botschafter der Heiligen Schrift. Diese lebten in kleinen Klöstern, den Zellen. Eine solche Zelle sei auch in Steinzell ab dem 8. Jahrhundert nachweisbar, das bis etwa zum 10. Jahrhundert bestand. Einige hundert Jahre später, so Schneider, werde über einen Edelsitz in Steinzell geschrieben und im 13. Jahrhundert errichtete der „Zellerbauer“ eine Andreaskirche. Im 18. Jahrhundert gab es einen langdauernden Streit mit dem Echinger Pfarrer über ein Patrozinium des Heiligen Florian in der Steinzeller Kirche. Diese Kirche sei aber nach der Säkularisation 1803 abgebrochen worden. Übrig geblieben sei nur noch die kleinste der drei Glocken der Andreaskirche, die sich heute in einem kleinen Glockenturm am Stadel des Zellerbauernanwesens befindet. Zum Pfarrverbandskreuz berichtete sichtlich stolz Hannes Keller über die Verwirklichung seines Entwurfs zu dem Licht-Schatten-Kreuz, das seit 2014 am geografischen Mittelpunkt des Pfarrverbandes Steinzell ihren Platz gefunden hat. Nach einer ausgiebigen Brotzeit trat die Wandergruppe den Rückmarsch bei inzwischen strahlendem Wetter an.

 

Kreisarchäologe Thomas Richter erläuterte, dass die um 150 vor Christus entstandene Steinzeller Keltenschanze sehr wahrscheinlich als Wohnansiedelungen diente, der Bereich innerhalb der Wallanlage sei vermutlich der herrschenden Schicht vorbehalten gewesen.


Auch heute noch ist die Steinzeller Keltenschanze gut erkennbar und beeindruckte die Teilnehmer der Frühjahrswanderung mit ihrer Größe.


Einen großen geschichtlichen Bogen spannte Heimatforscher Hans Schneider von der Christianisierung mit der Klosterzelle der irischen Wanderprediger in Steinzell ab dem 8. Jahrhundert, die im 13. Jahrhundert gebaute Andreaskirche und die Andreas-Glocke.

Das Pfarrverbandskreuz befindet sich seit 2014 am geografischen Mittelpunkt des Pfarrverbandes Steinzell, dem die Pfarreien Ast, Buch am Erlbach, Eching und Zweikirchen angehören.


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