Klimawandel und Forstwirtschaft ist Thema bei Frühjahrswanderung

 

Buch. Die Frühjahrswanderung der Neuen Liste Buch, die am Sonntag, 29. April 2018 stattfindet, befasst sich dieses Jahr mit einem naturkundlichen Thema. Bernhard Thalhammer, Forstbetriebs-leiter der Hl. Geistspitalstiftung Landshut führt durch den Wald der Stiftung bei Kumhausen. Unter dem Titel „Naturnaher Waldumbau im Zeichen des Klimawandels“ zeigt der Fachmann am Beispiel des Stiftungsforstes auf, welche Veränderungen unseren Wäldern bevorstehen und wie die Waldwirtschaft darauf reagieren kann.

 

Treffpunkt ist um 14 Uhr am Gasthaus Berndorf bei Kumhausen. Die Führung dauert rund zwei Stunden. Eine Stärkung ist im Anschluss an die Führung im Gasthaus Berndorf geplant. Für die Wanderung ist festes Schuhwerk notwendig. Die Veranstaltung findet bei jeder Witterung statt. Treffpunkt für Fahrgemeinschaften in Buch am Erlbach ist um 13.30 Uhr an der Raiffeisenbank. Eine Fahrradgruppe startet dort schon um 12.30 Uhr.

 

Landshuter Zeitung, Mo. 06.05.2018

 

Klimawandel: Forstwirtschaft im Umbruch

 

Führung durch den Forst der Heiliggeistspitalstiftung

– Fichte durch Klimawandel stark gefährdet

 

Buch/Berndorf. Interessante Informationen bot die naturkundlichen Frühjahrswanderung der Neuen Liste Buch mit dem Thema „Naturnaher Waldumbau im Zeichen des Klimawandels“, die am vergangenen Sonntag stattfand. Die zweistündige Veranstaltung führte durch den Forst der Heiliggeist-Spitalstiftung. Treffpunkt war in Berndorf bei Kumhausen. Die Exkursion wurde geführt von Bernhard Thalhammer, Forstbetriebsleiter der Stiftung.

Bei strahlendem Wetter beteiligten sich viele Interessierte an der naturkundlichen Wanderung, darunter auch Rosi Steinberger, Gemeinderätin aus Kumhausen und Landtagsabgeordnete.

 

Kurz ging Thalhammer auf die Geschichte der Heiliggeistspitalstiftung ein, die urkundlich 1208 erwähnt wird und von Ludwig I., den Kelheimer, gegründet wurde. Das Spital hatte lange Zeit der Armen- und Krankenfürsorge gedient. Heute ist es ein Alten- und Pflegeheim. Im Weiteren gehört auch das Magdalenenheim zur Stiftung. Diese sei seit jeher sehr eng mit der Nutzung des Waldes verbunden gewesen. Rund 750 Hektar gehören über den Landkreis Landshut verstreut zur Stiftung. Davon gibt es vier größere Walddistrikte, einer davon sei der Kumhauser Forst bei Götzdorf. Bernhard Thalhammer betreut den Forstbetrieb seit etwa zwei Jahren. Zusammen mit einem Forstwirtschaftsmeister und drei Forstwirten werden die vielfältigen Aufgaben in den Stiftungsforsten bewältigt.

 

Die Region um Landshut befinde sich im sogenannten Tertiären Hügelland, das durch die Süßwassermolasse aus den Alpen gebildet und anschließend mit mehr oder weniger mächtigen Lößschichten überdeckt wurde. Die ursprüngliche Waldzusammensetzung seien reine Buchenwälder gewesen, erläuterte Thalhammer. Die aufgrund des schnellen Holzzuwachses bevorzugte Fichte sei eigentlich eine Baumart, die vor allem in höheren Lagen beheimatet sei. Thalhammer prognostizierte, dass durch Klimawandel und Krankheiten eine Reihe von Baumarten wegfallen würden, wie die beispielsweise die Fichte. Aber auch Ulme und Esche seien stark gefährdet. Ziel der Bewirtschaftung soll daher ein Mischwald sein, der durch unterschiedliche Baumarten mit unterschiedlichen Wurzelsystemen stabiler den Umwelteinflüssen standhalten könne. Auf die Fichte soll aber nicht gänzlich verzichtet werden, sondern wenn möglich mit einem Anteil von 30 Prozent gehalten werden. Damit verbunden sei auch, die bisherige Bewirtschaftungsform mit Ein-Generationenwäldern und Kahlschlag in eine naturnahe Dauerwaldbewirtschaftung zu überführen. Dazu seien feste Rückegassen notwendig, die ein bestandsschonendes Arbeiten ermöglichen.

 

Forstbetriebsleiter Bernhard Thalhammer zeigte an frisch geschlagenem Fichtenholz den bereits jetzt schon erheblichen Befall mit dem „Buchdrucker“.

Der Fachmann befürchtet erhebliche Schäden an dieser Baumart durch die Käfer, wenn sich die trockene und warme Witterung fortsetzen würde.

 

Forstwirtschaft steht heute vor vielfältigen Aufgaben, um die Waldfunktionen, die Holzwirtschaft, die Erholungsfunktion, den Naturschutz, den Emissionsschutz oder den Wasserschutz so gut wie möglich zu erfüllen. Bei dem Stichwort „Jagd“ gab es eine Diskussion über den notwendigen Bestand an Wild. Thalhammer betonte, dass dieser Konflikt schon seit längerem bestehe und schwer lösbar sei. Ein passender Wildbestand könne man an dem Verbiss von Setzlingen beurteilen. Derzeit sei im Stiftungsforst aber Aufwuchs ohne Umzäunung kaum möglich. Daher plädierte der Forstbetriebsleiter für eine stärkere Bejagung.

 

Im Laufe des Rundgangs konnten die Teilnehmer unterschiedliche Standorte kennenlernen. An einem frisch geschlagenen Stapel Fichtenholz war ein Befall mit den Baumschädlingen „Buchdrucker“ und „Kupferstecher“ aus nächster Nähe zu beobachten. Diese sogenannten Borkenkäfer, so Thalhammer, werden die Wälder mit hohem Fichtenanteil bei den aktuellen Witterungsbedingungen erheblich zusetzen. Der Holzpreis werde dann aufgrund der notwendigen Holzentnahmen zusammenbrechen. Da mit dem Klimawandel der Verlust durch den Käfer nicht kalkulierbar sei, sei der ausschließliche Einsatz von Fichte keine Ertragsgarantie mehr. An weiteren Standorten konnten Unterpflanzungen von Buchen unter alten weitläufigen Fichtenbeständen beobachtet werden. Die Buche benötigt im Aufwuchs ein schützendes Blätterdach, erläuterte Thalhammer. Hinsichtlich des Klimawandels hätten Tanne, Buche, Eiche oder auch die Douglasie eine gute Prognose, hob der Forstbetriebsleiter hervor. Aber auch andere exotischere Baumarten seien forstwissenschaftlich in Überprüfung. Nach weiteren Standorten mit unterschiedlichen Bepflanzungen kehrte die Gruppe wieder nach Berndorf zurück. Im Gasthaus Berndorf konnten anschließend die Themen und Fragen noch weiter vertieft werden.

(Verf. G. Raschel)

 

In einem Teilstück des Waldes mit einem älteren Fichtenbestand konnten die Teilnehmer erfahren, dass sich eine Unterpflanzung mit Buchen gut mit dem vorhandenen Altbestand verträgt, da Buchen im Aufwuchs eine Beschirmung von oben benötigen.

 

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